Archiv für den Monat: Dezember 2017

Digitale Transformation: Wie digitalisiere ich eine Messe?

Die digitale Transformation ist in aller Munde. Projekte wie die Koelmesse 3.0, dem größten Investitions- und Modernisierungsprogramm in der Unternehmensgeschichte dieser großen Messe, zeigen dabei, dass auch die Messegesellschaften mit dem digitalen Wandel gehen wollen und müssen. Denn mit der immer weiter steigenden Relevanz von Online-Medien und Social Media können es sich profitorientierte Unternehmen nicht leisten, auf bewährte Traditionen zu bestehen, sondern müssen einen Schritt nach vorne wagen. Doch was bedeutet das konkret für einen Messebetreiber? Welche Maßnahmen können heute getroffen werden, um eine Messe sinnvoll zu digitalisieren?

Mit digitalen Medien effektiv für Messen werben

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass sich die gesamte Costumer Journey eines Messebesuchers vom ersten Kontakt bis hin zum finalen Besuch der Veranstaltung durch Digitalisierung begleiten und verbessern lässt. Werbung im Vorfeld einer Messe ist wohl die wichtigste Maßnahme, um bestehende Kunden und mögliche Interessenten auf eine anstehende Veranstaltung hinzuweisen. Dabei sollte Social Media ein wesentlicher Bestandteil in der Messe-Kommunikation sein. Über Medien wie Facebook, Xing und Co. können dabei nicht nur Werbeanzeigen durch spezielle Filter ohne Streuverlust an eine gewünschte Zielgruppe gebracht, sondern auch ein Forum für den Austausch von Trends und Innovationen geschaffen werden. Visuell und textlich gut aufbereitete Postings können die Zielgruppe für eine Veranstaltung gewinnen und nachhaltig vernetzen. Im Vorfeld einer Messe sollten daher Gruppen wie Fachbesucher, Endverbraucher und Aussteller, aber auch Multiplikatoren wie Blogger, durch eine Social Media-Kampagne aktiv angesprochen werden. In Kombination mit anderen Werbemedien wie digitalen Displays im Stadtgebiet sollte so eine umfassende Information der potentiellen Messebesucher im Vorfeld einer Veranstaltung möglich sein.

Conversion und Registrierung liefern wertvolle Daten

Gelingt die Conversion eines Interessenten, registriert er sich für den Besuch der Messe. Maßnahmen wie Social Login erleichtern den Registrierungsprozess für den Besucher dabei erheblich. Die dabei gewonnenen Daten bilden eine wichtige Basis für den Messeveranstalter, die unbedingt durch optionale Strukturfragen bei der Registrierung ergänzt werden sollten. Die so gewonnenen demografischen Informationen sind eine wertvolle Grundlage für weitere Kommunikationsmaßnahmen wie Mailings, da mit einer guten Datenbasis auch eine personalisierte Ansprache erfolgen sollte. Das Social Media-Login kann zudem durch ein Tool für soziales Marketing ergänzt werden: Teilnehmer, die sich mit dem Social Login angemeldet haben, können so während des Ticketkaufs in ausgewählten sozialen Netzwerken ihre Teilnahme posten und zudem sehen, welche Kontakte aus ihrem sozialen Netzwerk ebenfalls zur Messe gehen. Generell gilt, dass alle Daten in ein zentrales CRM fließen sollten, um sinnvoll damit zu arbeiten. Ein Matchmaking nach der Registrierung fördert anschließend die Vernetzung von Besuchern und Ausstellern sowie zwischen den Besuchern selbst und erhöht das Engagement von der ersten Sekunde an. Hier zeigt sich die besondere Wirkung gut gestalteter digitaler Prozesse: das Ziel der Messeveranstaltung, Angebot und Nachfrage zusammen zu führen, wird datengetrieben schon bei der Registrierung optimiert.
Der anschließende Ticketkauf im Online-Shop sollte in der heutigen Zeit vollständig digitalisiert und für alle Endgeräte optimiert sein. So kann der Besucher im besten Fall einfach ein Wallet Ticket auf sein Smartphone übertragen und so ganz papierlos Zutritt zur Messe erlangen.

Der Zutritt erfolgt ebenfalls digital, entweder über ein Scan durch ein mobiles Gerät oder an der Drehsperre.

An den FairMate TurnStyle Drehsperren der Koelnmesse erhält der Besucher schnell und einfach durch Scannen eines QR-Codes Zutritt zur Messe. Zeitgleich druckt die Drehsperre auch das Badge, lange Wartezeiten an Besucherregistrierung und Kasse entfallen. (Quelle: dimedis)

Digitalisiert: Messeaufbau und Infrastruktur

Bevor die Messe öffnet, helfen digitalisierte Prozesse etwa bei der optimierten Planung von LKWs auf dem Gelände beim Aufbau, Stress und Kosten zu sparen. Messegesellschaften sind auch gefordert, die Belastungen der Infrastruktur (Verkehrszufluss zu Parkhäusern etwa) mit Hilfe digitaler Lösungen abzufedern. Ein positives Beispiel bietet die Messe Düsseldorf, die mit Hilfe der Einlasslösung FairMate die Parkplatzvermietung der Caravan-Fans organisiert hat.

Der digitalisierte Messebesuch

Immer mehr Messen bieten mittlerweile auch eigene Apps an, die einen erheblichen Mehrwert für Besucher und Aussteller darstellen. In der Regel bieten solche Apps Hinweise mit allen relevanten Services wie Ausstellersuche, Matchmaking, angebotene Events und Kongresse sowie die Verwaltung von Terminen. Auch die Integrierung von Leadtracking-Lösungen ist hier möglich, um Kontakte ganz ohne das Austauschen von Visitenkarten schnell und einfach zu erfassen und zu verwalten.
Vor Ort können interaktive Stelen zur digitalen Wegeleitung zum einfachen Auffinden von Ausstellern, Events oder Vorträgen eingesetzt werden. In Kombination mit Ausstellerwerbung auf den Screens und Videowalls kann so eine umfassende Information der Besucher gewährleistet werden.
Alle Daten wie die Registrierungsinformationen und Zutritte werden im zentralen CRM erfasst. Diese Daten sind sehr wertvoll für Analysen im Sinne von Smart Data. Wer sind die Besucher und wie sind sie auf uns aufmerksam geworden? Wer kommt wann und bleibt wie lange auf der Messe? Gibt es Zusammenhänge zwischen soziodemografischen Variablen und den Interessen an der Messe? Alles das kann man Dank der digitalen Daten für den Erfolg der Messe analysieren.

Das folgende Video zeigt einige Beispiele, wie digitale Schnittstellen bei einem Messebesuch aussehen können:

Nach der Messe ist vor der Messe

Auch die Nachbereitung einer Messe wird in weiten Teilen durch die Digitalisierung optimiert. Die gewonnenen Strukturdaten bei der Registrierung liefern den Ausstellern weitere wichtige Informationen, um die generierten Leads durch personalisierte Mailings gezielt anzusprechen. Generell sollten Mailings im Nachgang des Messebesuchs genutzt werden, um den Mehrwert des Messebesuchs zu steigern.

Lunch&Learn: Vortrag zu agilen Unternehmen mit besonderem Fokus auf Kanban

Zu unserem diesjährigen und auch letzten Lunch & Learn im Jahr 2017 hatten wir den Berater David Schmithüsen bei uns im Hause zu Gast, der uns zum Thema Kanban informierte. Mit einer rhetorischen Frage zu Beginn lenkte David Schmithüsen direkt die volle Aufmerksamkeit auf das Thema: „Kanban – Mehr als nur bunte Zettel und Whiteboards?“

Zunächst stellte er die agile Softwareentwicklung vor und gab uns einen kurzen Einblick in die eigentliche Entstehung Kanbans. 

Kanban wird in Unternehmen zur Organisation und Darstellung von Prozessen verwendet. Es kann im einfachen Sinne mithilfe von kleinen bunten Zetteln auf einem (physischen) Board visualisiert werden.
Es ist für jeden Mitarbeiter greifbar und jeder Zeit zugänglich. Kanban ist aber auch ein Tool, das zur kontinuierlichen Verbesserung beiträgt.
Es zeigt, dass ein aktives Miteinander zu guten Ideen und auch großen Fortschritten führen kann.

Grundlegenden Prinzipien

Diese vier grundlegenden Prinzipien zeigen, wie eine sogenannte Verbesserung gemeinsam erreicht werden:

  1. Beginne mit dem, wie es heute gemacht wird
  2. Strebe nach gemeinsamer, inkrementeller und evolutionärer Verbesserung
  3. Respektiere anfangs alle aktuelle Rollen, Verantwortlichkeiten im Titel
  4. Fördere Führung auf allen Ebenen, denn Führung beruht auf Gegenseitigkeit!

Jedoch muss Verbesserung nicht zwangsläufig Änderungen mit sich bringen. „Alte Dinge die sich bewährt haben müssen nicht zwangsläufig geändert werden, wenn sie funktionieren“ stellte David Schmithüsen immer wieder deutlich dar.

Vorgehensweise in der Praxis

Die grundlegenden Prinzipien sind bei Kanban strukturiert angelegt. Auch die Vorgehensweise in der Praxis ist klar geordnet und sieht bestimmte und elementare Praktiken vor:

  1. Visualisiere den Ablauf der Arbeit (z.B. mit bunten kleinen Zettel)
  2. Limitiere die angefangene Arbeit
  3. Steuere den Fluss der Arbeit
    Kanban schaut nicht auf die Person, sondern darauf, dass die Aufgaben gleichzeitig durch das Unternehmen fließen und sich „kein Stau“ bildet
  4. Mache Regeln explizit
  5. Implementiere Feedbackschleifen (tägliches Feedbackmeeting, klassische Gespräche)
    Nicht nur über Projekte reden, sondern auch über Arbeitsweisen
  6. Verbessert gemeinsam, benutzt euren gesunden Menschenverstand
    Fachliche Änderungen über Hierarchien hinaus besprechen

Diskussionsrunde: anloge oder digitale Boards?

In der anschließenden Fragerunde wurden weitere Details besprochen.
Der Referent machte noch einmal darauf aufmerksam, dass Kanban alleine Probleme nicht komplett lösen kann. Die Methoden sollen helfen, Probleme besser zu sehen und zu erkennen und diese dann früh genug angehen zu können.
Durch die verschiedenen Boards wird nicht nur der Visualisierungsprozess stark unterstützt. Es wird ebenfalls ein Verantwortlicher für das Board benötigt, der über die Visualisierung vornimmt, mit den anderen Bereichen kommuniziert, der die richtigen Fragen gestellt bekommt und aufnimmt. Diese gemeinsame Weiterentwicklung am und im Board ist ein großer, kreativer Prozess.
David Schmithüsens Anregung über die Verwendung eines anlogen oder digitalen Boards regte eine erneute Diskussionsrunde mit den Mitarbeitern an. Die Idee fand Anklang und es wurde gemeinsam abgewägt was optimal für das Unternehmen wäre.

Schmithüsen fasste als Fazit zusammen, dass ein analoges Board eine viel effektivere Wirkung beim Menschen hat als ein elektronisches. Letzteres hat demgegenüber den Vorzug, dass Statistiken besser erfassbar sind. Der Referent empfiehlt zunächst mit einem physischen, also einem analogen Board zu starten.

Kanban bietet eine flexible Bandbreite für Organisationen und kann beliebig an die Bedürfnisse des Unternehmens angepasst werden. Ein gemeinsames Arbeiten über die Hierarchiestufen hinaus ist bei diesem Prinzip elementar. Wenn nicht zusammen kommuniziert und gearbeitet wird, entsteht ein Arbeitsstau und das Kanban-Prinzip kann seine Wirkung nicht entfalten.